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Epstein – Was ist Übertreibung, was Verharmlosung?

Es gibt aus meiner Sicht sehr viele spannende Facetten, warum die Epstein-Files jetzt und in der Fassung mit massiven Schwärzungen bei mutmaßlichen Tätern, jedoch nicht bei Opfern, sowie unvollständig veröffentlicht wurden, die massenhaft Raum für Interpretation, Empörung aber auch Verwirrung eröffnen.

Eine interessante Perspektive ist, dass dadurch Menschen an das Schreckliche als das Normale gewöhnt werden sollen. Eine andere ist, dass dadurch etwas Größeres verdeckt werden soll, was gerade im Hintergrund passiert, während alle beschäftigt sind. Die Menschen sollen durch die im Stakkato ausgebreiteten Krisen zermürbt werden, bis sie die toxische „Lösung“ akzeptieren. Das Vertrauen unter den Menschen, der Glaube an eine Realität soll restlos zerstört, die Gesellschaft weiter atomisiert werden. Eine weitere ist, dass es ein paar Bauernopfer ermöglichen, das System am Leben zu erhalten. Oder aber man brauche ein derartiges System durch die Möglichkeit der Massenüberwachung nicht mehr. Es gibt einige derartig spannende Perspektiven auf die Epstein-Files, die den Blick freigeben auf ein Netzwerk der Macht, das zu all dem fähig wäre.

Leider geht aus meiner Sicht in der Diskussion der Fokus davon weg, indem entweder unnötig und auch zum Teil unzulässig skandalisiert oder aber verharmlost wird. Beides ist extrem unschön. Nur weil ein Name in den Files auftaucht, heißt das nicht, dass es sich um einen Pädophilen handelt. Da sollte man sehr vorsichtig sein. Auch was satanische Rituale oder Ähnliches anbelangt, gaben die Veröffentlichungen gerade anfangs nicht das her, was man zum Teil lesen musste. Das schadet dem Thema und der Glaubwürdigkeit und es lenkt auch vom Kern ab, um den es bei aller Widerlichkeit geht: Um ein perverses System zur Generierung und Ausübung von Macht und zum Geldscheffeln, dessen Wurzeln weit zurückreichen zu einer Verbindung von Geheimdiensten und Mafia.

Auf der anderen Seite passiert eine Verharmlosung, die man nicht hinnehmen sollte. Ein Extrembeispiel beschäftigt mich nun schon seit einigen Tagen, weshalb ist es veröffentliche. So geht es einfach nicht.

Ich halte es für hilfreich, vor allem die Bücher von denen zu lesen, die sich jahrelang intensiv mit dem Thema beschäftigt haben wie Whitney Webb (dank etica media in deutscher Übersetzung Band 1 und Band 2) und Tahir Chaudry. Ohne dieses Hintergrundwissen halte ich es eher für schwer, im Morast der Veröffentlichung Relevantes herausdestillieren zu können. Ich bin auf ein drittes Buch von Collin McMahon gestoßen, das ich noch nicht gelesen habe und habe gesehen, dass er im Interview mit Helmut Reinhardt darüber spricht. Eine gute Gelegenheit bei einer Autofahrt mal hineinzuhören. Es hat mir die Schuhe ausgezogen. Nicht die Erkenntnisse über Epstein, worüber ich ja bereits sehr viel gelesen habe, sondern der verharmlosende Umgang damit. 

Collin McMahon spricht darüber, dass Epstein mit dem französischen Unternehmer und Modelagenten Jean Luc Brunel befreundet gewesen sei, der ebenfalls im Gefängnis „verstarb“ (bevor der Prozess wegen Vergewaltigung Minderjähriger abgeschlossen war).

McMahon berichtet, dass Epsteins Geburtstagsgeschenk von Brunel einmal 12-jährige Drillinge gewesen sein sollen (findet sich auch bei Webb), die ihm aus Frankreich geschickt worden sein sollen und die er dann „vergenussuwrzeln“ durfte. Eine derartige Verharmlosung von Pädophilie und des wohl gewerbsmäßigen Missbrauchs Minderjähriger ist mir so auf offener Bühne noch nicht untergekommen, auch wenn dies nicht das einzige Beispiel ist.

(Link zum gesamten Gespräch)

Wenn der Sachverhalt so zutrifft, dann ist Brunel kein „schräger Vogel“, wie McMahon meint, sondern ein Schwerstverbrecher. Das darf man keinesfalls verharmlosen und weglächeln. Das muss jetzt deutlich benannt werden, damit den Opfern wenigstens etwas Gerechtigkeit widerfahren kann und der Sumpf zumindest etwas ausgetrocknet wird, um weitere Opfer zu vermeiden. Und nun sollten sich alle, die auf der anderen Seite behaupten, da wäre doch gar nichts dran, mal in sich gehen und überlegen, inwieweit sie wirklich auch dokumentierte Verbrechen verharmlosen und abtun wollen. Vielleicht kommt ja doch noch ein bisschen Vernunft rein.

Wer meine Arbeit honorieren möchte, findet unter diesem Link ein paar Möglichkeiten zur Unterstützung zur Auswahl. Vielen Dank!