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Ist verträgliche Aufarbeitung unerträglich?

Die österreichische Journalistin Daphne Hruby hat eine Sendung zur Aufarbeitung der Coronakrise gemacht, die sie die Aufarbeitung der Aufarbeitung nennt. Um die Sendung herum entspann sich eine Diskussion, welche Art der Aufarbeitung zielführend ist, was zu weich und was zu hart ist. Ich kann beiden Seiten etwas abgewinnen und fand die Diskussion so spannend, dass ich sie im Nachgang zu einer kurzen Einordnung der Sendung unter mein Verständnis einer Aufarbeitung hier wiedergeben möchte.

Auch ich habe Kritik. Ich finde, man sollte nicht (mehr) von „Pandemie“ sprechen, bevor wir darüber gesprochen haben, womit wir es überhaupt zu tun hatten. Auch halte ich es für nicht möglich, zu behaupten, dass die sog. Impfung Millionen Leben gerettet und eine Pandemie beendet habe. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass man es den Tätern nicht durchgehen lassen sollte, davon zu sprechen, dass man in einem Zustand der Unsicherheit handeln musste, wenn man über den Exzess im Winter 21/22 spricht, als nachweislich alles bekannt war. Damit sollte man die Täter nicht unwidersprochen durchkommen lassen. Und ja, ich nenne die Täter Täter, weil sie Täter waren und zwar nicht irgendwelche Kleinkriminellen, sondern im größten globalen Verbrechen der bisherigen Menschheitsgeschichte mitgewirkt haben. Ich spreche sehr deutlich vom Bruch des Nürnberger Kodex und vermeide das Wort Impfung, weil es keine war. Ich sage sehr deutlich, dass ich den Winter 21/22 für eine faschistische Phase gehalten habe. Auch die Frage, was wir denn da genau erlebt haben, wäre eine die dringend gestellt und diskutiert werden müsste. Ebenso die Frage, wenn man dann zum Schluss kommt, dass das alles absolut nichts mit Demokratie zu tun hatte, wie es denn genau dazu kommen konnte.

Ja, ich bin sehr deutlich, vielleicht sogar zu deutlich, aber ich muss meine Arbeit auch nicht in einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk unterbringen und habe ein Publikum, das bereits seit Jahren selbst an der Wahrheit interessiert und hiervon nicht überfordert ist. Genau das ist der Unterschied, der wiederum eine Menge Fragen gebiert. Die wichtigste Frage lautet: Hat eine „weichgespülte“ Aufarbeitung überhaupt einen Wert. Ich denke: ja! Ich schätze Daphne Hrubys Arbeit und sie als Journalistin sehr. Sie leistet etwas, was ich niemals könnte. Sie leistet dies für ein Publikum, das noch immer denkt, dass wir es mit einer Killerpandemie zu tun hatten, die mit einer wirksamen und nebenwirkungsfreien Impfung beendet werden konnte. Ein Publikum, das die Aufarbeitungssimulation der Täter in einer Enquete-Kommission für Aufarbeitung hält und nicht für das, was es tatsächlich ist: Vertuschung, Selbstentschuldigung und Vorbereitung künftiger Exzesse, die man dann von Anfang an viel besser zu gestalten und in Gesetzesform zu gießen gedenkt. Wenn man das so deutlich formulieren würde, würde das Publikum, das es abzuholen gilt, unmittelbar angewidert abschalten. Ich spreche aus Erfahrung.

Mein Ansatz war jedoch immer, dass es die verschiedensten Ansätze geben sollte und für jeden Platz ist. Ich saß nach der Herausgabe der RKI-Protokolle durch einen Whistleblower kopfschüttelnd vor Twitter, als auf einmal eine Stimmung einkehrte, die forderte, alle sollten gefälligst die Protokolle lesen und auswerten, ansonsten solle man sich nicht zur Aufarbeitung äußern. Dabei war aus meiner Sicht das Wichtigste bereits Monate vorher von Paul Schreyer aus den damals noch umfassend geschwärzten Protokollen herausdestilliert worden. Die Einen halten das für den richtigen Weg. Andere haben einen anderen Weg. Den Einen sind noch persönliche und versöhnliche Gespräche möglich. Andere sind traumatisiert und schreiben anonym auf X. Weitere organisieren Vorträge und Debattenräume. Wieder andere nutzen die Möglichkeiten des derzeit vorherrschenden politischen Systems, von dem sich andere bereits angewidert abgewendet haben und ihr eigenes Ding machen. Dies und vieles mehr sollte auf Seiten der Sender möglich sein, denn auch auf Seiten der Empfänger gibt es die gleiche Diversität und ein jeder ist auf eine andere Art und durch andere empfänglich, wo er bei der kleinsten Abweichung sonst vielleicht dicht machen würde. Niemand weiß, wer den Stein ins Rollen bringen wird und welches vorherige Wirken dafür erforderlich war. Und niemand weiß, ob er mit seinem Ansatz richtig liegt. Ich lag in meinem Leben schon in einem enormen Ausmaß falsch, was mich aber nicht daran hinderte, im Brustton der Überzeugung Handlungen von anderen zu verlangen, die richtig lagen. 

Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig, die unterschiedlichsten Ansätze nebeneinander bestehen zu lassen, solange sie ehrlich an der Wahrheit interessiert sind. Ob dies aber der Fall ist, muss jeder für sich entscheiden. So auch bei dieser Sendung, die ich nicht im Einzelnen einordnen und auswerten werde. Daher gibt es an dieser Stelle nur den Link zur Sendung:

https://oe1.orf.at/programm/20260427/829578/Corona-Die-Aufarbeitung-der-Aufarbeitung

In der Folge lasse ich die – allesamt von mir sehr geschätzten! – Diskutanten zu Wort kommen, was den Vorteil hat, dass mir niemand den Vorwurf machen kann, ich wäre zu ausschweifend. 

Gerald Ehgartner eröffnete – sehr sicher ungewollt – auf Facebook am 29. April 2026 die Debatte, als er zur der Sendung schrieb:

„Erstmals erlebt man im ORF – Journalistin Daphne Hruby sei Dank –  eine lang ersehnte Aufarbeitung in Form eines respektvollen Streitgespräches (zwischen Florian Klenk vom Falter und dem Public-Health-Experten Martin Sprenger) und einer durchaus schonungslosen Analyse der Psychotherapeutin und Machtexpertin Christine Bauer-Jelinek. Durch die Sendung führt Daphne Hruby selbst, die immer wieder wesentliche Informationen einstreut.

Ein Meilenstein der ehrlichen und echten Auseinandersetzung mit dem Thema im ORF. Natürlich könnte es noch kontroverser sein, Klenk hätte öfter Gegenwind erhalten können. Seine Aussagen, „Die Pandemie der Ungeimpften“ hätte sich beim Falter auf die Selbstgefährdung der Ungeimpften bezogen, ist ihm nicht abzunehmen. 

Aber trotzdem – hier wurde im ORF auch mal eine Grenze verschoben – die Impfpflicht, die Schulschließungen, der Lockdown für Ungeimpfte und weitere Kommunikationsmaßnahmen werden kritisiert. Immerhin. 

Für mich die bisher kritischste ORF-Sendung zu diesem Thema.“

Darunter eröffnete Ortwin Rosner in einem Kommentar den Reigen und die richtige Aufarbeitung wie folgt: 

„Ich habe großen Respekt vor Daphne Hrubys Engagement, aber im Rahmen von ORF-Formaten und ihren Prinzipien funktioniert so eine Aufarbeitung oder „Aufarbeitung der Aufarbeitung“ einfach nicht. Trotz aller Bemühungen. Das bleibt einfach eine sehr weiche Geschichte. Der Selbstdarsteller Florian Klenk bekommt mit seinen verharmlosenden Wischiwaschi-Ausagen (man habe „Fehler“ gemacht, es habe „Fehler in.der Kommunikation gegeben“, aber er sei überzeugt, die Politiker hätten es doch alle gut gemeint) viel zu viel Raum, vieles Kritische hingegen, was in aller Härte gesagt werden müsste, kommt auf Samtpfoten daher, der ganze Hass- und Hetzjournalismus, der damals gelaufen ist, wird nicht plastisch, eine Psychotherapeutin kratzt zwar etwas kritisch rum, bleibt aber schlussendlich auch nur so vage beim allgemein menschlichen Drama der Verlockungen der Macht hängen …“

Und er ergänzt auf ihm zustimmende Kommentare wie folgt:

„Beim Standard pro Tag manchmal ein halbes Dutzend Beiträge gleichzeitig, wo Kritiker des Corona-Kurses als Anhänger von „Verschwörungstheorien“, „Rechtsextremisten“ und „Covidioten“ und dgl hingestellt wurden. Ein Meer von Hetzartikeln. Und kritische Journalisten wurden gefeuert. Diese journalistischen Strategien hätte man in einer Aufarbeitung systematisch durchleuchten müssen. Ich habe das auch in einem Beitrag in dem Buch „Schwerer Verlauf“ (Promedia) (https://mediashop.at/buecher/schwerer-verlauf/) von 2023 getan. Aber das liest halt kaum wer. Dafür bekommt ein Florian Klenk wieder die große Bühne. Wenn „Aufarbeitung“ so funktioniert, kann man sie vergessen.“

Nun mischt sich die kritisierte Daphne Hruby ins Geschehen:

„Lieber Ortwin Rosner, Zunächst danke, dass du mein Engagement würdigst. Das weiß wiederum ich zu schätzen. Allerdings machst du mit deinen darauffolgenden Zeilen dieses Engagement völlig zunichte. Es ist dein gutes Recht Kritik zu üben. Jedoch würde ich dich bitten, doch auch etwas Fairness walten zu lassen. Denn dass Klenks Selbstdarstellung als „der Kritiker“ schlechthin unwidersprochen bleibt, ist schlicht und einfach nicht wahr. Ich verweise vielmehr auf die „Satire“-Patientenverfügung, die er breit geteilt hat und zitiere auch daraus. Auch sage ich klipp und klar, dass sich Klenk für Grundrechtseinschränkungen für Ungeimpfte ausgesprochen hat und im Falter von einem „Lockdown für Ungeimpfte“ die Rede war – samt langer Ausführung, wie unwissenschaftlich und diffamierend das war.

Wenn du so etwas behauptest und dir Menschen das daraufhin glauben, weil sie die Sendung nämlich nicht gehört haben beziehungsweise dann erst recht nicht hören, finde ich das nicht fair.

Auch deine Kritik an Christine Bauer-Jelinek finde ich persönlich ungerechtfertigt. Aber es steht dir völlig frei, diese (so) zu üben.

Klenks Auftritt hat auch nichts mit dem ORF zu tun. Seine Sicht bleibt seine Sicht. Und seine Art bleibt seine Art.

Es ist nicht meine Aufgabe ihn zu erziehen geschweige denn zu missionieren. Er weiß, dass ich eine andere Meinung zu der Rolle der Medien in dieser Zeit habe. Das ist kein Geheimnis und daraus mache ich auch kein Geheimnis. Das weiß jeder in der Medienblase und auch jeder, der mich kennt.

Ich versuche hier auf Dinge aufmerksam zu machen, die in bestimmten Kreisen nicht mal annähernd bekannt sind.

Die ganzen Corona-Jahre hindurch hatte ich eine Metapher vor Augen und die habe ich bis jetzt. Du kennst sie, denn ich habe sie dir nicht nur einmal erzählt: Ein Mensch, der lange Zeit im Dunkeln saß, erblindet, wenn du das Licht von einem Moment auf den anderen hell aufdrehst. (Hervorhebung durch mich)

Hätte ich ein paar mehr Journalisten an meiner Seite, die tatkräftig bei der Beleuchtung von Geschehenem helfen, ginge es etwas schneller.

Was du in deinem Kommentar aber verschweigst, ist, dass in dieser Sendung viele Dinge zum ersten Mal zu hören sind, Dinge, die noch nie zuvor in einem traditionellen Medium zu hören, zu lesen oder sonst wie zu vernehmen waren. Wenn du also mithelfen willst, würde ich dich bitten, Fairness walten zu lassen. Du kannst gerne alles kritisieren – auch mich. Mein Appell lautet lediglich: Bitte mit Maß und Ziel.“

Ortwin Rosner erwidert hierauf wiederum:

Liebe Daphne Hruby, ich habe selbst Aufarbeitung gemacht, in einem Beitrag in dem Buch „Schwerer Verlauf“ (Promedia 2023), da habe ich die ganze Entwicklung der Medienberichterstattung zu Corona gründlich analysiert. Das hättest Du beispielsweise als eine Grundlage verwenden und daraus zitieren können. Aber wenn sich nicht einmal kritische Journalisten dafür interessieren, sondern lieber zum hunderttausendsten Mal Klenk & Co zu Wort kommen lassen, was hat dann meine Arbeit für einen Sinn gehabt? So läuft halt das Spiel. Das Spiel ist immer das Gleiche: Die Leute, die ohnehin Diskursmacht haben, die kommen noch einmal zu Wort, die dürfen sich nur noch einmal ausbreiten. Am Ende ist das doch Elitenjournalismus, wo sich immer die Gleichen die Klinke in die Hand geben. Ich weiß aber gar nicht, warum mich interessieren soll, was Herr Klenk über die Berichterstattung seiner Zeitung denkt! Natürlich nur das Beste, no na! Und nein, das hat nichts damit zu tun, dass ich von Dir „Missionierung“ oder „Aktivismus“ fordere. Im Übrigen fordere ich von Dir persönlich gar nichts, denn ich suche die Verantwortung dafür nicht bei Dir, sondern es ist das System, in dem Du drin steckst. Da ist anderes nicht machbar. Was ich fordere, das ist jedenfalls etwas Handfesteres. Ich finde es fast rührend, wenn Du hier darauf verweist, dass Du in der Sendung die „Satire“-Patientenverfügung zum Thema machst. Aber solche anekdotischen Einstreusel und das Hickhack rundherum … Sorry, das sind doch Peanuts … Das hat für mich eben nichts mit einer handfesten Aufarbeitung und mit einer klaren und Benennung der Vorgänge zu tun, erst recht nicht mit einer systematischen Aufarbeitung … Und nein, da ist trotz solcher Streusel kein unmittelbarer Einspruch zu Klenks Aussage zu erkennen, der „Falter“ wäre eh kritisch gewesen und hätte Meinungsvielfalt geboten … Womit ich aber eben nicht sagen will, Du hättest jetzt Klenk „erziehen“ oder ihn auf die Anklagebank setzen müssen … Viel mehr ist das Problem, dass sich alles so sehr um ihn dreht … und die Sendung darum überhaupt viel zu sehr an der Oberfläche hängen bleibt … Schließlich: Du findest, dass ich Menschen davon abhalte, die Sendung anzuhören. Nun, ich habe niemanden davon abgeraten sie anzuhören. Aber so einige, die sie ebenfalls angehört haben, geben mir recht. Ansonsten registriere ich, dass Du von mancher Seite im Netz sehr viel Zuspruch für die Sendung erhältst. Du wirst also meine kritischen Aussagen und die einiger anderer dazu aushalten können. Am Ende haben wir eh keine Macht. Du brauchst uns also nicht zu fürchten, dass wir Dir was wegnehmen.“

Hier hat Ortwin Rosner aus meiner Sicht einen Punkt. Es gäbe viele Menschen, die Gewichtiges zur Debatte beizutragen hätten, denen aber kein Raum gegeben wird, um Gehör finden zu können. Daphne Hruby möchte auch das nicht so stehen lassen und erwidert:

„Lieber Ortwin Rosner , Wie Du weißt, halte ich viel aus. Und das schon sehr lange. Ich habe kein einziges Mal über meine Erlebnisse berichtet. Weil ich das – nämlich mich – nicht als das Zentrum betrachte, nicht den Kern der Sache. Gegenwind – das ist in gewissem Sinn mein Zuhause. Ob Du oder andere Menschen Macht habt, ist mir völlig gleich. Ich respektiere dich und alle anderen sehr – völlig gleich, welchen gesellschaftlichen Stands. Oder habe ich Dir jemals den Eindruck vermittelt, ich würde mich an Mächtige anbiedern? Ich, die sogar die Anstellung beim ORF abgelehnt hat. Ich habe eher eine Phobie davor, jemandem „(an)zu gehören“. Aber ja, Du darfst, kannst, ja sollst mich sogar kritisieren, wenn du das möchtest.“

Ortwin Rosner beendet die Debatte, wie ich meine, versöhnlich:

„Ich könnte noch viel dazu sagen, lasse das aber. Nur so viel: Wenn etwas „unfair“ an meiner Kritik sein sollte, dann vielleicht, dass Du hier indirekt den Ärger abbekommst, den wir eigentlich auf Florian Klenk haben.“

Insgesamt ist dieser Austausch etwas gänzlich anderes, als man es leider in den sozialen Medien gewohnt ist, wo es weit weniger wertschätzend zugeht. Auch ich kann mich leider nicht davon freisprechen. Ich denke, es ist lohnend, miteinander ins Gespräch zu kommen. Wir alle haben viel zu verlieren, wenn so mancher bestehende Plan umgesetzt wird. Die Coronakrise ist eine unglaubliche Chance, aufzuzeigen, wie Propaganda funktioniert und was sie mit den Menschen macht. Ich denke, dass Menschen auf unterschiedliche Art zu erreichen sind. Wird man zu deutlich, schlägt man so manche Türe zu, erreicht aber vielleicht gerade jemanden, der dafür bereits ist. Dies gilt anders herum ebenso. Widerspricht man Tätern und Chefpropagandisten nicht unmittelbar und deutlich, besteht die Gefahr der Wiederholung. Es ist eine Gratwanderung. Wir sind mittendrin in der Geschichtsschreibung und deren Akteure. Was das Richtige ist, können wir erst im Nachgang wissen. In dieser Unsicherheit müssen wir manövrieren und unseren Weg finden. Dazu finde ich konstruktive Kritik auch innerhalb derer, die aufarbeiten, wichtig – auch wenn sie bisweilen nicht angenehm ist.

Wer meine Arbeit honorieren möchte, findet unter diesem Link ein paar Möglichkeiten zur Unterstützung zur Auswahl. Vielen Dank!

(Titelbild: Bildschirmfoto der verlinkten Sendung)